Der Schriftsteller Karl Josef Kassing

(Versuch eines Selbstportraits im Juni 2021)

Er lebt zurückgezogen wie ein Eremit in der Südstadt von Köln. Das hindert ihn aber nicht daran, seine Gesammelten Werke unters Volk zu bringen. Wozu hat er schließlich sein ganzes Leben lang geschrieben!

Beim Erzählen zeigt er auch ein Faible für altväterliche Formen. So schreibt er Märchen und Verserzählungen. Offenbar bildet er sich ein, was unzeitgemäß ist, ist zeitlos gültig. Wenn er sich darin nicht irrt!

Wenn er sich dabei wenigstens beschränkt hätte. Aber nein, er galoppiert auf dem Pegasus querbeet durch alle Schubladen. Mal ernst, mal heiter, mal weltlich, mal religiös. Mal episch, mal lyrisch, mal dramatisch, mal auch nichtfiktional. Wie soll man sich da noch auskennen!

Zugegeben, er gibt sich Mühe beim Schreiben. Er ist von der fixen Idee besessen, sich so direkt und einfach wie möglich auszudrücken. Er will nämlich auch selbst verstehen, was er schreibt. Na denn viel Erfolg …!

Auffallend ist auch seine Neigung zur Kürze. „Meister der Miniatur“ hat ihn mal jemand genannt. Das schmeichelt ihm natürlich. Die Folge: Seine Bücher sind so dünn wie er selbst. Oder schafft er es nur nicht, dicke Bücher zu schreiben?

Sein Logo sagt viel über ihn: Sisyphus wuchtet den Felsbrocken mit dem Kopf den Berg hinauf. Auf jedem Cover immer wieder neu. Offenbar hat der Mann noch Illusionen!

Der Autor scheint auch ein Naturfreund zu sein. Aber was für kuriose Blüten treibt seine Naturliebe! So erzählt er von einem Lateinlehrer namens Karl, der einem Maulwurf namens Otto Latein beibringen will. Oder er erklärt, warum man ein Nilpferd nie auf einem Tanzturnier sieht. Ja wen interessiert denn so was?

Und fromm gibt er sich auch. Jetzt hat er sich gerade rund 200 Seiten zum Markus-Evangelium abgequält. Als ob da nicht schon Klügere alles gesagt hätten! Aber nein, er meint, er hat noch Neues entdeckt. Ähnlich im Buch über Maria, die Mutter Jesu. Das soll diesen Herbst erscheinen.

Und fortschrittlich will er auch noch sein. So legt er sich ins Zeug dafür, dass Frauen in der katholischen Kirche die gleichen Rechte wie Männer bekommen. Ja muss das denn sein? Sie dürfen doch eh schon mitbeten und mitsingen!

Also jetzt mal ehrlich und ganz unter uns: Ich bin mit dem Autor ja entfernt identisch. Aber eigentlich kann ich Ihnen zusammenfassend nur empfehlen: Lesen Sie seine Sachen, wenn Sie nichts Besseres zu lesen haben!

Mit Dank fürs Zuhören und mit freundlichem Gruß

Karl Josef Kassing

Zum Geburtstag alles Liebe und natürlich auch ein aktuelles Buch aus Ihrer Feder, lieber Herr Kassing.

Herzlichst Ihre Verlegerin

Dr. Petra Fohrmann